Wie leben wir Gemeinde nach Covid-19? von Philip Nunn, NL

Warum wir uns nicht mit den Online-Gottesdiensten zu Hause zufriedengeben sollten

Covid-19 wird uns in der Zukunft erhalten bleiben. Es ist eine weitere ernsthafte Bedrohung, mit der die Menschheit zu leben lernen muss. Heute Morgen las ich in unserer regionalen Zeitung einen nachdenklichen Artikel über die Zukunft des Shoppings in den Einkaufsstraßen. Während der letzten zwei Jahre mit ihren Lockdowns und Kontaktbeschränkungen haben die Webshops eine große Beliebtheit gewonnen. Das Online-Shopping hat bei Tag und Nacht geöffnet; es macht es einfacher, Produkte und Händler zu vergleichen; man verliert keine Zeit mit dem Weg zum Geschäft­­, dem Schlangestehen und dem Heimweg; es fallen keine Parkgebühren an … und es gibt einen Wettbewerb um die günstigsten Preise. Warum sollten die Kunden den Wunsch haben, zum Shopping in den Innenstädten zurückzukehren? Städteplaner, Soziologen und Geschäftsleute machen sich intensive Gedanken darüber. Sie schlagen kreative Wege vor, wie man das Shopping in realen Geschäften zu einer interessanten und reizvollen Erfahrung machen könnte. Auch wir Christen müssen wach werden für die neuen Möglichkeiten und Herausforderungen, die vor uns liegen. Es hat sich einiges verändert.

Die Möglichkeit, von zu Hause auf einem Bildschirm an einem Gottesdienst teilzunehmen, bietet zahlreiche Vorteile. Wir haben eine große Auswahl – wir können uns das Thema und den Predigtstil wählen, die am besten zu uns passen. Abhängig vom Wetter oder anderen geplanten Familienaktivitäten können wir uns den Gottesdienst unserer örtlichen Gemeinde sofort ansehen, oder erst am Nachmittag, oder vielleicht irgendwann später in der Woche. Wir können einiges davon überspringen, wenn das gesungene Lied nicht ‚meinem Geschmack‘ entspricht, oder wenn wir das Interesse an dem verlieren, was der Prediger sagt. Wir können unsere Erfahrung von Gemeinde selbst bestimmen. Wir haben uns von dem Modell einer Gemeinde mit ‚einem Gottesdienst für alle‘ weg entwickelt. Ein Gottesdienst mit Elementen, die ich selbst ausgewählt habe, damit sie meinen persönlichen Umständen, Bedürfnissen und Vorlieben entsprechen, müsste doch eigentlich die bestmögliche Erfahrung von Gemeinde sein. Außerdem brauche ich sonntags nicht mehr so früh aufstehen; ich kann die Kinder schlafen oder spielen lassen; ich kann im Schlafanzug in meinen Lieblingssessel im Wohnzimmer sitzen und manchmal sogar mein Frühstück genießen, während ich mir den Gottesdienst ansehe. Auch die Fahrtkosten und mein CO2-Fußabdruck werden reduziert. Wenn ich an geistliche Realitäten denke, bin ich mir sicher, dass Gott nicht auf ein Kirchengebäude beschränkt ist, dass ich Ihn bei mir zuhause anbeten kann, und dass Er auch in meinem Wohnzimmer zu mir sprechen und mich anrühren kann. Diese Beobachtungen sind alle wahr. Wie sieht also die Zukunft unserer örtlichen Gemeinde aus? Warum sollten wir uns nicht mit den Online-Gottesdiensten zu Hause zufriedengeben?

Fünf Vorteile von realen Treffen

Die Bekehrung ist eine individuelle Angelegenheit. Auch die Buße von einer Sünde ist etwas Persönliches. Als Jesus über das Gebet lehrte, sagte Er: „Du aber, wenn du betest, geh in dein Kämmerlein und schließe deine Türe zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten“ (Mt 6,6). Ganz eindeutig sieht und liebt uns Gott als Individuen. Aber das ist nicht alles. Er sieht mich als Seinen Sohn (oder Seine Tochter), aber auch als ein Mitglied Seiner Familie (Gal 6,10). Gemeinschaft ist ein wesentliches Element in der Gemeinde. Wir brauchen uns gegenseitig. Deswegen kann die Teilnahme an einem Online-Gottesdienst niemals das persönliche Treffen ersetzen. Denk einmal über die folgenden Segnungen nach, die mit einem realen Zusammenkommen verbunden sind:

  1. Ein regelmäßiges Ereignis: Die meisten Vorgänge in der Natur folgen bestimmten Rhythmen. Für die Feldfrüchte gibt es Erntezeiten, Tiere haben ihre bestimmten Zeiten für die Geburt ihrer Jungen, der Mond und die Planeten folgen ihren regelmäßigen Umlaufbahnen. Auch wir Menschen profitieren von bestimmten Rhythmen, von regelmäßigen Zeiten für Essen, Schlafen, Sport und sogar Zähneputzen. Wenn wir lernen wollen, ein Musikinstrument zu spielen, oder eine Sprache, eine Sportart oder irgendeine andere neue Fähigkeit, ist es im Allgemeinen nützlich, dafür tägliche, wöchentliche oder monatliche Rhythmen festzulegen. Solche Rhythmen werden gewöhnlich durch besondere Ereignisse, wie Ausstellungen, Konzerte, Wettbewerbe oder Prüfungen, gefördert oder verstärkt. Genauso wird auch das geistliche Leben bei uns und unserer Familie von gesunden Rhythmen und besonderen Ereignissen profitieren. Viele Menschen bezeugen den Nutzen bestimmter täglicher Rhythmen, wie zum Beispiel ihre persönliche Stille Zeit, das gemeinsame Beten als Ehepaar, bevor man ins Bett geht, Gott für die Mahlzeiten zu danken oder gemeinsam am Tisch einen Bibeltext zu lesen.

Ein wöchentlicher Rhythmus: Das Muster einer Sieben-Tage-Woche zieht sich seit der Schöpfung durch die ganze Bibel. Die Israeliten wurden aufgefordert, den letzten Tag der Woche besonders zu beachten, um ihn Gott, der Ruhe, den Familienbeziehungen, dem Nachdenken über sich selbst und ähnlichen Dingen zu widmen. Um diesen Tag zu schützen, nannte Gott ihn „meinen Sabbat“ (2.Mo 31,13). Im Gegensatz zu vielen anderen Geboten wurde das Gesetz, das den Sabbat-Rhythmus forderte, im Neuen Testament nicht wiederholt. Wir stellen allerdings eine Verschiebung der Betonung vom letzten zum ersten Tag der Woche fest. An einem Sonntag ist der Herr Jesus von den Toten auferstanden (Lk 24,1). An einem Sonntag erschien Er Seinen Jüngern und sagte ihnen: „Friede sei mit euch!“, hauchte sie dann an und sagte: „Empfangt Heiligen Geist!“ (Jo 20,21-22). Nachdem sich diese Gläubigen zuerst täglich getroffen hatten, sehen wir, dass sie anfingen, sich am ersten Tag der Woche als Gemeinde zu treffen (Ap 20,7; 1.Kor 16,2). Am Ende seines Lebens bezeichnet der Apostel Johannes diesen Tag als den „Tag des Herrn“ (Off 1,10). Für einen Christen hat der Sonntag gewisse Ähnlichkeiten mit dem jüdischen Samstag, aber es gibt auch bedeutende Unterschiede (Gal 4,9-10; Kol 2,16). Anders als der Sabbath ist der Sonntag in der Bibel nicht durch eine Liste verbotener Aktivitäten gekennzeichnet. Der Sonntag wurde zu einem Tag, an dem der Herr Jesus einen besonderen Platz einnahm: „der Tag des Herrn“. Es wird auch uns Nutzen bringen, wenn wir ihn zu etwas Besonderem machen und daran festhalten. Wenn wir dem Sonntag einen besonderen Platz im Gemeindeleben geben, schließt das allerdings andere geplante oder spontane Momente der Gemeinschaft während der Woche nicht aus.

Ein besonderes Ereignis: Die Verabredung, sich als Gemeinde zu einer vereinbarten Zeit an einem bestimmten Ort zu treffen, beinhaltet eine wichtige geistliche und soziale Dimension. Dieser Ort kann eine Hausgemeinde, ein Schulraum oder ein Kirchengebäude sein. Ich persönlich erlebe die Dynamik, mich körperlich, geistig und geistlich bereit zu machen, um mein Haus zu verlassen und mich auf den Weg zu machen, um dem Herrn gemeinsam mit meinen Mitgeschwistern zu begegnen, als etwas Gutes und Hilfreiches. Es ist ein besonderes Ereignis, meine Brüder und Schwestern am Sonntag zu treffen, nicht nur in meinem Terminplaner, sondern auch in meinem Herzen. Meine Frau und ich wurden mit vier Kindern gesegnet. Es erfordert Energie und Entschiedenheit, die Familie am Sonntag so weit vorzubereiten, dass man zur Gemeinde gehen kann. Aber der wöchentliche Rhythmus, den du damit in das Familienleben hineinbringst, wird sich reichlich auszahlen. Ohne einen solchen Rhythmus wird an jedem Sonntag eine Diskussion in der Familie entstehen, mit einigen alternativen Vorschlägen, wie man diesen speziellen Tag verbringen könnte. In unserer Familie waren solche Diskussionen durchaus akzeptiert, aber wir konzentrierten uns dabei auf das, was wir nach der Gemeindeversammlung machen könnten.

  1. Eine Erfahrung der Gemeinschaft: Heutzutage können wir über die sozialen Medien in Kontakt bleiben. Die Beschränkungen durch Covid-19 haben uns dazu gezwungen zu lernen, wie wir uns miteinander unter Benutzung von Bildschirmen austauschen können. Meine alten Eltern waren in ihrer kleinen Wohnung in London für mehr als ein Jahr sozusagen eingesperrt. Sie waren sehr stark auf Online-Gemeindetreffen und Zoom-Meetings angewiesen. Digitale Gemeinschaft ist dabei vergleichbar mit dem Essen eines Fertiggerichts aus der Mikrowelle. Sie hilft uns. Sie ist besser als nichts. Aber wir alle würden wohl eine frisch gekochte Mahlzeit oder eine Grillparty mit Freunden im Garten bevorzugen! Soweit nötig wollen wir digital in Kontakt bleiben, aber wir sollten uns damit nicht zufrieden fühlen. Es tut uns gut, uns mit anderen Menschen persönlich zu treffen. Jemand hat es einmal mit einem Lächeln so ausgedrückt: Als Gott sagte: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist“, gab Er Adam keinen Laptop oder ein Mobiltelefon, sondern ein menschliches Wesen als Mitmenschen!“

Die erste Generation der Christen hatte das Bedürfnis, sich miteinander zu treffen. „Diese alle blieben beständig und einmütig im Gebet und Flehen“ (Ap 1,14). Sie könnten auch in ihren Häusern im Geist und im Ziel vereint sein. Aber trotzdem nahmen sie das Risiko und die Mühen auf sich, sich persönlich zu treffen. Anfangs trafen sie sich noch in den Tempelhallen, und später diskreter in den Häusern (Ap 2,46; Röm 16,5; Phil 1,2). Diese tatsächlichen Handlungen, uns gegenseitig zu treffen, uns zu begrüßen, zusammen zu singen und gemeinsam anzubeten, bauen uns auf. Indem wir miteinander kommunizieren, aufeinander warten, uns den Vorlieben anderer anpassen und uns gegenseitig vergeben, wachsen wir in unserem christlichen Charakter. Wenn wir als Gemeinschaft in der Gemeinde zusammen sind, können wir durch die Art, wie wir miteinander umgehen, zeigen, dass wir uns gegenseitig lieben (1.Pe 2,17), dass wir niemanden diskriminieren (Jak 2,1-4), dass wir eine Familie sind (Gal 6,10). Zusammen als Glaubensgemeinschaft können wir erreichen, dass Besucher sich willkommen fühlen (Ap 15,4). Das Zusammenkommen ist ein wesentlicher Teil unseres Christseins. Deshalb „blieben“ diese frühen Christen auch „beständig … in der Gemeinschaft“ (Ap 2,42).

  1. Eine Erfahrung der Gegenwart Gottes: Gott war schon immer all-gegenwärtig, das bedeutet, dass Er überall existiert und gefunden werden kann. In der Bibel lesen wir, wie Gott Adam und Eva in einem Garten begegnete, Abraham in einer heidnischen Stadt, Mose in einem brennenden Busch, Jona im Bauch eines großen Fisches, Philippus in der Wüste, Paulus im Gefängnis, und so weiter. Glücklicherweise können wir Gottes Gegenwart erfahren, wenn wir allein sind, zum Beispiel, wenn wir zu Hause anbeten oder in der Bibel lesen. Aber wir können Gottes Gegenwart auch erfahren, wenn wir uns zusammen als Gemeinde treffen. „Und als sie gebetet hatten, erbebte die Stätte, wo sie versammelt waren, und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit“ (Ap 4,31). Oft wirkt Gottes Geist auf eine besondere Weise, wenn wir zusammen sind.

Im Alten Testament verbindet Gott eine besondere Erfahrung Seiner Gegenwart mit der Stiftshütte und dem Tempel. Im Neuen Testament verspricht Jesus eine besondere Erfahrung Seiner Gegenwart – durch den Heiligen Geist –, wenn wir als Gemeinde zusammenkommen (1.Kor 14). Wo ist der Herr Jesus heute? Zur rechten Seite Gottes des Vaters (Ap 2,32.33). Er wohnt genauso in jedem Herzen, das für Ihn offen ist (Off 3,20). Er machte Seinen Jüngern auch deutlich: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Sicher, der Herr Jesus ist zu Hause, bei der Arbeit und in der Schule mit und bei uns. Aber in einem sehr realen, besonderen und davon verschiedenen Sinn ist Er gegenwärtig, wenn sich die Gemeinde in Seinem Namen trifft. Ich benutze das Wort ‚verschieden‘, weil sonst die zitierten Worte von Jesus keinen Sinn ergeben würden. Wir werden eingeladen und sollen erwarten, etwas Besonders zu erfahren, wenn wir in Seinem Namen zusammenkommen, um zu beten, Ihn zu loben und Ihn durch Sein Wort reden zu hören. Die meisten Christen erinnern sich, jeder auf seine eigene Weise, an einen bestimmten Moment, in dem der Herr während einer Gemeindeversammlung in ihre Gedanken oder in ihr Herz hineingesprochen hat, ihnen neue Hoffnung, Kraft, Sicht oder Freude gegeben hat, oder sie auf eine andere Weise berührt hat. Diese Art von Erfahrungen werden wir verpassen, wenn wir uns entscheiden, weiter nur zu Hause zu bleiben.

  1. Eine Gelegenheit zum Zeugnis: Unsere westliche Kultur hat sich immer stärker hin zum Individualismus entwickelt. Unsere Unabhängigkeit und unsere persönlichen Entscheidungen sind uns wichtig. Gleichzeitig ist aber die Einsamkeit ein wachsendes Problem. Es gibt viele soziale und ideologische Gruppen, denen du beitreten und die du verlassen kannst, wann immer du es willst. Ohne Verbindlichkeit bleibt Gemeinschaft nur ein Wort. Die örtliche Gemeinde soll nach Gottes Plan eine Familie sein, eine Gemeinschaft von Gläubigen. Es gibt verschiedene Wege, wie wir der Welt zeigen können, dass wir zur Familie Gottes gehören. Jesus hat gesagt, dass wir durch unsere guten Taten unser „Licht vor den Menschen scheinen lassen“ sollen (Mt 5,16). Er erklärte auch, dass wir durch die Art, wie wir miteinander umgehen, der Welt zeigen, dass wir Christen sind: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Jo 13,35). Natürlich können wir uns unsere Liebe und Verbindlichkeit gegenseitig auch digital zeigen, und auch während der Woche. Aber wenn wir unsere Einheit sehen lassen, indem wir uns als Gemeinde treffen, mit unseren unterschiedlichen Temperamenten, Vorlieben, Lebensaltern und Kulturen, werden wir zu einem lebendigen Zeugnis davon, was Christus im Leben von Menschen tun kann.

Diese Harmonie in unserer Verschiedenheit ist mehr als ein soziales Wunder. Der Apostel Paulus erklärt, wie ein „Suchender oder Ungläubiger“, der unsere Treffen besucht, vielleicht vom Geist Gottes berührt werden kann. Durch ein Lied oder ein gesprochenes Wort „würde er von allen überführt, … und so würde das Verborgene seines Herzens offenbar, und so würde er auf sein Angesicht fallen und Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig in [oder: unter] euch ist.“ (1.Ko 14,23-25). Wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, kann das eine schöne und wirkungsvolle Gelegenheit zum Zeugnis sein.

  1. Eine Erfahrung, ‘gebraucht zu werden‘: Manche bezeichnen diejenigen Gläubigen, die sich entscheiden, nicht an den Gemeindetreffen teilzunehmen, als ‚egoistisch‘. Das könnte für einige zutreffen, aber andere entscheiden sich vielleicht, zu Hause zu bleiben, weil sie ängstlich, verletzt oder krank sind, oder arbeiten gehen müssen. Aber eindeutig gibt es auch Menschen, die ihre einzigartige Stellung und Funktion innerhalb des Leibes Christi nicht verstehen oder zu schätzen wissen. Im Augenblick unserer Bekehrung „sind wir ja alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden, … Ihr aber seid der Leib des Christus, und jeder ist ein Glied daran nach seinem Teil” (1.Kor 12,13.27). Damit wird uns ausdrücklich gesagt, dass jedes Glied wichtig ist. Du auch. Christus möchte sich selbst durch dich ausdrücken. Er hat den Wunsch, andere durch dich zu segnen. Durch ein Lächeln, einen Gruß, ein mitfühlendes Zuhören. Dadurch, dass du einfach ‚da bist‘. Wir sind zu jeder Zeit der Leib Christi. Aber wenn wir uns real treffen, bewegt sich der Leib Christi auf eine besondere Weise.

Aus organisatorischer Sicht kann man in einer örtlichen Gemeinde zwischen Ältesten (Aufsehern), Dienern und „allen Heiligen in Christus Jesus“ (Phil 1,1) unterscheiden. Was den Dienst betrifft, hat Jesus, das Haupt der Gemeinde, Männer und Frauen begabt „zur Zurüstung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes des Christus“ (Eph 4,12-13). Vom Aspekt der Anbetung gesehen gehört jeder Gläubige zum „königlichen Priestertum“ und kann „die Tugenden dessen verkünden, der euch aus der Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht“ (1.Pet 2,9). Jeder von uns hat eine Rolle, um das Gemeindeleben zu unterstützen, sei es in der Organisation, im Dienst, in der Anbetung, oder einer Mischung aus diesen Aufgaben. Wenn wir uns real treffen, ermöglicht und verstärkt das unseren Beitrag zum Leben der Gemeinde. Das wird besonders in solchen Gemeindezusammenkünften deutlich, in denen eine breite Teilnahme an den Gottesdiensten mit verschiedenartigen Beiträgen gefördert wird und erwünscht ist (1.Kor 14,26-39). Wie bereitest du dein Herz für die Versammlungen der Gemeinde vor? Sage dem Herrn, dass du dich öffnen und bereithalten möchtest, um etwas zu empfangen (von Ihm und von anderen), aber auch um selbst etwas zu geben (Ihm und anderen). Wenn du mit dem Wunsch dorthin kommst, dich gebrauchen zu lassen, ist es wahrscheinlicher, dass du Gelegenheiten erkennst und das Drängen des Heiligen Geistes spürst, wenn er dich benutzen möchte, um etwas zu sagen, andere zu ermutigen und ein Segen für die Anwesenden zu sein. „Wenn jemand redet, so rede er es als Aussprüche Gottes; wenn jemand dient, so tue er es aus der Kraft, die Gott darreicht, damit in allem Gott verherrlicht wird durch Jesus Christus“ (1.Pet 4,11). Komm in die Gemeindestunden mit dem entschiedenen Wunsch zu dienen, zu geben und dich gebrauchen zu lassen.

Die Zukunft der Online-Gottesdienste

Während der letzten zwei Jahre haben sich viele Gemeinden eine technische Ausrüstung gekauft und die Fähigkeiten entwickelt, um ihre Gottesdienste online stellen zu können. Biblische Lehre, Singen und Gottesdienste am Bildschirm wird es weiterhin geben. Manche Gemeinden haben sich entschieden, ihre Online-Angebote wieder einzustellen, um ihre Gemeindeglieder dazu zu drängen, die Bequemlichkeiten zu Hause zu verlassen und sich wieder persönlich zu treffen. Vielleicht wird das bei einigen Menschen funktionieren. Aber ich gehe davon aus, dass viele sich einfach beim Gottesdienst einer anderen Gemeinde zuschalten oder gar keinen Gottesdienst mehr haben werden. Die Kranken, die Alten, diejenigen, die bei den kleinen Kindern bleiben müssen oder auf Reisen sind, werden sich wohl sehr darüber freuen, wenn sie zu Hause, im Krankenhaus oder in einem Hotelzimmer auf dem Bildschirm an ihrem gewohnten Gottesdienst teilnehmen können. Für diese Menschen kann es wertvoll sein, dass wir unsere Gottesdienste weiterhin aufzeichnen oder einen Lifestream anbieten. Dass wir uns wieder in der Realität persönlich treffen wollen, sollte besser durch theologische und praktische Gründe motiviert als erzwungen sein. Das erfordert vermutlich einige Erklärungen und Geduld. Die Entscheidung, einem realen Zusammenkommen den Vorzug vor einem digitalen Treffen zu geben, ist an sich schon ein Wachstumsschritt.

Schluss

Der Herr kann sowohl durch digitale als auch durch reale Treffen zu uns sprechen und uns ermutigen. Er kann uns auch durch das Lesen von Büchern oder das Hören eines Podcast in unserem Auto auf dem Weg zur Arbeit zurechtweisen und korrigieren. Aber es gibt mindestens fünf gute Gründe, warum wir reale Gemeindezusammenkünfte den digitalen vorziehen sollten. Der Schreiber des Hebräerbriefs wird da überaus deutlich: „Und lasst uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht! (Heb 10, 24-25). Siehst du „den Tag herannahen“? Während der Monate der Covid-19-Pandemie haben wir miterlebt, wie manche demokratische Regierungen entdeckt haben, dass Angst und Technologie mächtige Werkzeuge sind, um die soziale Kontrolle zu verschärfen. Sie haben in unserer Gesellschaft Dinge durchgesetzt, die wir vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Ganz deutlich kommt „der Tag“ näher. Wir haben heute stärkere Gründe als vor dieser Pandemie, uns miteinander zu treffen, uns zu ermutigen und gegenseitig anzuspornen.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, deine Prioritäten und deinen wöchentlichen Rhythmus zu überdenken; Zeit, dich zu entscheiden, dich vom Herrn gebrauchen zu lassen, um für andere ein Segen zu sein, wenn du dich in Anwesenheit mit ihnen als Gemeinde triffst. Sei kreativ. Entscheide dich, das Zusammenkommen als Gemeinde als ein besonderes Ereignis zu erleben, als einen Höhepunkt deiner Woche, als etwas, auf das du dich freust, anstatt es irgendwie in deinen Zeitplan hineinzupressen. Dann wird dein erster Tag der Woche, vielleicht zum ersten Mal, oder wie früher schon erlebt, dieses besondere Gefühl des „Tages des Herrn“ auslösen!

Philip Nunn – Oktober 2021

Eindhoven, Niederlande

www.philipnunn.com

Übersetzung: Frank Schönbach, 10/21

 

2021-10-17T21:06:37+02:00