„Leben mit Gott“ (Richard Foster) / Eine Rezension von Georg Walter

07. Mai 2021

Leben mit Gott

Eine Rezension des Buches Leben mit Gott – Wie die Kraft der Bibel uns verändert von Richard Foster

Georg Walter

 

Richard Foster, Quäker und Autor des bekannten Bestsellers Nachfolge feiern – Geistliche Übungen neu entdeckt, hat 2010 ein weiteres Buch geschrieben: Leben mit Gott – Wie die Kraft der Bibel uns verändert. Der Brockhaus Verlag, Herausgeber des Buches, schreibt hierzu:

„Der Autor zeigt einfühlsam, mit vielen Beispielen und sehr praktisch, dass die Bibel Gottes verlässlichstes Werkzeug ist, wenn es um unsere Veränderung geht. Jede Geschichte in seinem Wort zeigt uns letztlich, wie er mit uns ist. Wenn wir uns von dieser Wahrheit durchdringen lassen, finden wir nach und nach zu einer tieferen und authentischeren Beziehung mit Gott und wachsen im Glauben.“1

Auf der Rückseite des Buches wird Richard Foster als Referent vorgestellt, der weltweit unterwegs ist sowie als Gründer der Erneuerungsbewegung Renovaré tätig ist. Im Vorwort des Buches wird außerdem erwähnt, dass die Arbeit an der RENOVARÉ Spiritual Formation Bible Foster dazu inspirierte, dieses neue Buch zu schreiben, damit „Menschen überall auf der Welt das Leben mit Gott entdecken mögen“ (S.5).

Alle ernsthafte Christen sind bestrebt, im Glauben zu wachsen und die Bibel als Maßstab und Richtschnur für ihr geistliches Leben zu betrachten. Diesbezüglich enthält das Buch Leben mit Gott einige gute und praktische Hinweise. Dennoch sind nicht alle Ratschläge, die Foster erteilt, wirklich schriftgemäß; einige von ihnen gehen über das Wort Gottes hinaus. Trotz manch guter Gedanken und Anregungen ist dieses Buch ganz im Geiste von Richard Foster und der Renovaré-Bewegung geschrieben, die eine starke mystische Ausrichtung aufweist.

Alexander Seibel hat die Aussagen des Quäkers Richard Foster intensiv anhand der Schrift geprüft und kommt zu dem Schluss:

„Wer ist nun dieser Mann mit diesen besonderen Meditationstechniken? Richard Foster lebt in Englewood, Colorado und ist Begründer der einflussreichen Renovaré-Bewegung, um die Methoden der Bild-Meditation und Visualisierung in Form einer neuen Spiritualität in der Christenheit zu verbreiten. Ein erklärtes Ziel ist die Rückführung und Neubelebung der mystischen Anfänge der katholischen Kirche… Viele haben sich seiner ‚Renovaré-Bewegung‘ angeschlossen, die den fernöstlichen Mystizismus in der Kirche zu neuem Leben erwecken soll.“2

Interessant ist, dass die deutsche Ausgabe des Buches Leben mit Gott auf die Übersetzung der letzten beiden Seiten im englischen Original verzichtete. Dort heißt es unter der Überschrift „Was ist RENOVARÉ?“: „Renovaré ist christlich geprägt, international im Betätigungsfeld und ökumenisch in seiner Ausrichtung.“

In Fosters englischer Ausgabe des Buches wird auf die Internetseite von Renovaré verwiesen, wo man auf folgende Empfehlungen für Autoren trifft: Reformatoren und Puritaner wie Martin Luther, John Calvin und John Bunyan, katholische Heilige wie Madame Guyon und Bruder Lorenz, der Jesuit Ignatius von Loyola, moderne Mystiker wie Evelyn Underhill, Thomas Merton, Henri Nouwen, und auch der Quäker George Fox ist vertreten – eben das breite Spektrum einer ökumenischen Plattform. Ferner wird die Literatur von Mystikern, christlichen Theosophen und Charismatikern empfohlen. (Classic devotional writings): die Wüstenväter, Meister Eckart, Jakob Böhme, Hildegard von Bingen, Fenélon, Agnes Sanford, um nur einige zu nennen. Diese Hinweise sollten an und für sich schon ausreichend sein, um die geistliche Richtung des Gründers von Renovaré ans Licht zu bringen und von einer Empfehlung Abstand zu nehmen.

In seinem neuen Buch Leben mit Gott spricht Richard Foster von „Christen, … die helfen, das Leben des Wesens mit Gott zu verstehen… [sie] gewähren uns Einblicke, die unser geistliches Leben bereichern… Origenes und Hieronymus, Augustinus von Hippo und Hildegard von Bingen, Johannes Chrysostomus und Johannes Calvin, Martin Luther und Richard Baxter, Watchman Nee und Sundar Singh…“ (S. 21). Weitere „Vorbilder“ des Glaubens werden vorgestellt: Ignatius von Loyola (S. 70, Jesuit und treibende Kraft der Gegenreformation), Teresa von Avila (S. 24, katholische Mystikerin), Dallas Willard (S. 31,38,81, Evangelikaler, der die kontemplative Mystik bejaht); der Katholik Henri Nouwen (S. 68,110); der russisch-orthodoxe Vater  Anthony von Sourozh (S. 79); Franz von Assisi (S. 115; katholischer Mönch); Aimee Semple McPherson (S. 115, charismatische Heilungsevangelistin); John Wimber (S. 115, Charismatiker); David Yonggi Cho (S. 115, extremer Pfingstler); Bruder Lorenz (S. 125, katholischer Mystiker), Juliana von Norwich (S. 163, englische Mystikerin); Mutter Teresa (S. 187,189; katholische Ordensfrau, die die Lehre des Universalismus vertritt). Für jede Glaubensüberzeugung ist jemand dabei. Der ökumenisch-interreligiöse Geist weht durch alle Zeilen des Buches.

Foster erklärt: „Sowohl in der Bibel als auch bei liebevollen und reifen Freunden gibt es genügend weisen Rat. Dort können wir lernen, welche Antwort richtig ist und wann. Und welche Disziplinen notwendig sind und wann. Unsere einzige Aufgabe ist es, zuzuhören. Und zu gehorchen“ (S. 24).

Beim Lesen des neuen Buches von Foster wird schnell deutlich, dass es sich um eine Fortsetzung seines Bestsellers Nachfolge feiern handelt, denn schon im 1. Kapitel wird die lectio divina (geistliche Schriftlesung) vorgestellt und erklärt. In jedem weiteren Kapitel des Buches wird die lectio divina aus einer anderen Perspektive beleuchtet und vertieft. Die im Vorwort erwähnte Renovaré-Bibel (S. 5) ist übrigens eine Studienbibel, mit dem Ziel der Entdeckung, Belehrung und Praxis der „Geistlichen Disziplinen“ nach Fosters Bestseller Nachfolge feiern.

Foster charakterisiert die lectio divina als eine Art der Schriftlesung „mit dem Herzen“ (S. 21). Dies bedeutet, dem Text der Schrift zuzuhören, sich ihm unterwerfen, über ihn nachzudenken, über die Schriftstellen zu beten und sie dann anzuwenden (S. 21,66). Der von Gott bestimmte Weg für diesen bewussten geistlichen Trainingsprozess ist nach Foster die Ausübung der Geistlichen Disziplinen, die uns zu einem Leben mit Gott führen, zu dem wir berufen sind (S. 22). „Es ist ein Leben in Frieden und Kraft. Es ist stabil. Es ist heiter. Es ist einfach. Es ist strahlend. Es braucht keine Zeit, auch wenn es unsere ganze Zeit durchdringt.“ (ebd.)

Wer also „stabil, heiter, einfach und strahlend“ sein will und „ein Leben in Frieden und Kraft“ erfahren möchte, muss hierfür etwas tun – er muss den „bewussten geistlichen Trainingsprozess“ durch die Geistlichen Disziplinen praktizieren (S. 22). Richard Foster stellt diese Disziplinen vor und einige mögen durchaus legitim sein: „Fasten und Beten, Studieren und Dienen, Unterordnung und Einsamkeit, Beichte und Anbetung, Meditation [im Sinne von Nachsinnen] und Schweigen, Einfachheit, Genügsamkeit, Verschwiegenheit, Opfer, Feier und andere“ (S. 23). Natürlich kommen uns diese „Übungen“ bekannt vor – doch nicht nur durch die Bibel, sondern, wie Foster erklärt, durch die „Geschichten von Menschen Gottes im Lauf der Jahrhunderte“ (S. 24). Foster verweist u. a. auf die „Seelenburg“ der katholischen Nonne Teresa von Avila (Karmeliterin), die aus seiner Sicht  zu den „liebevollen und reifen Freunden“ gehört, wo man sich über die Bibel hinaus Rat holen kann, „welche Antwort richtig ist und wann“ (S. 24).

Die Geistlichen Disziplinen stellen laut Foster einen Umweg dar: „Wenn wir uns den geistlichen Disziplinen widmen, streben wir über ‚Umwege‘ nach der Gerechtigkeit des Reiches Gottes“ (S. 24). Aber müssen Christen überhaupt diesen Umweg nehmen, da sie doch nach Hebräer 10,19-21 durch den Herrn Jesus Christus einen direkten Zugang zu Gott haben? Es ist nicht immer einfach, die Kernaussagen, die Richard Foster formuliert, in rechter Weise zu beurteilen, da er seine „Wahrheiten“ in einen christlich-biblischen Mantel einhüllt. Das Leben mit Gott wird von Foster als Immanuel-Prinzip bezeichnet. „Wir täten gut daran, uns der Bibel mit diesen Worten im Ohr zu nähern: Ihr habt gehört… Ich aber sage… Jesus führte eine neue Art ein, die Heilige Schrift zu lesen und zu verstehen, denn er verkündigte das Reich Gottes auf Erden: Gott mit uns“ (S. 83).

Interessant ist Fosters Aussage in einem Interview aus dem Jahre 2005:

„Das Immanuel Prinzip [Gottes Gegenwart bei seinem Volk Israel, prophetische Heilshoffnung des alttestamentlichen Gottesvolkes] ist letztlich kosmisch. Wir werden mit Gott herrschen und für immer und ewig bei Gott sein. In der Vergangenheit wirkte Gott zuerst direkt, sodann indirekt mit seinem Volk. Seit Jesu Geburt, Leben, Tod und Auferstehung arbeitet Gott sowohl direkt als auch indirekt. Quäker erfahren Gott in der Sammlung der Stille (gathered silence) sowohl direkt als auch indirekt.“3

Aus der Sicht Fosters wird der Quäker demnach nicht alleine durch das Prinzip sola scriptura (allein die Schrift) geleitet – also „direkt“ -, sondern auch „indirekt“ durch „Erfahrungen“ oder die „Führung durch das innere Licht“ in der Stille. Statt biblische Lehre anhand der Schrift zu untersuchen, zieht der Quäker es vor, sich in die Stille zurückzuziehen und sich alleine auf seine innere Führung zu konzentrieren.

Foster erklärt, dass wir als Volk Gottes das Privileg haben, die Bibel durch die Augen der ganzen Gemeinschaft zu sehen. „Wir können die wunderbare Vielfalt sehen, durch die die Bibel die Glaubensfamilie über Generationen und Traditionen hinweg inspiriert und gelehrt hat“ (S. 108). So gibt es viele Ansätze, durch welche „die christliche Gemeinschaft ihr Verständnis, wie die Beziehung des Lebens mit Gott funktioniert, gewonnen hat. Es sind große historische Traditionen… intime Einsichten eines persönlichen geistlichen Lebens…“ (S. 109). Diese sogenannten „Strömungen“ sollen dazu dienen, in den Reichtum und in die Vielfalt der Bibel einzutauchen. Richard Foster nennt sechs Strömungen:

–  die Tradition der Kontemplation oder das „Leben des Gebets“,

–  die Tradition der Heiligung oder das „Leben der Reinheit und Tugend“,

–  die charismatische Tradition oder das „Leben in der Vollmacht des Heiligen Geistes“,

–  die soziale Tradition oder das „Leben der Nächstenliebe“,

–  die evangelisch-reformatorische Tradition oder das „Leben aus dem Wort“, und

–  die inkarnatorische Tradition oder das „Leben der Gestaltwerdung des Glaubens“. (S. 109)

Auf den nächsten Seiten des Buches vertieft Richard Foster diese Strömungen. Er erläutert sie anhand von Bibelstellen, Beispielen aus der Kirchengeschichte, indem er Vorbilder anführt. Man trifft auch hier auf Vertreter jeder Glaubensrichtung (katholisch, charismatisch, pfingstlerisch) und deren Umgang mit Gottes Wort. Die Informationen sind jedoch spärlich, sodass der Leser erst dann einen tieferen Einblick in das Leben dieser Personen erlangt, wenn er sich mit ihnen näher befasst und andere Quellen nutzt.

Für Foster zählen zu den sozialen Vertretern der Nächstenliebe: die Diakone der Apostelgeschichte, die mittelalterlichen Mönche und Nonnen und ihre jeweiligen Orden, die Quäker, die modernen „Heiligen“ wie Dorothy Day (Sozialaktivistin und Mitbegründerin der Katholischen Arbeiterbewegung S. 117), Mutter Teresa (Katholische Ordensschwester mit interreligiösen Überzeugungen, bekannt durch ihre Hilfsprojekte und die Verleihung des Friedensnobelpreises S. 187) und Rosa Parks (US-amerikanische Bürgerrechtlerin, ebd.). Unter der Überschrift „Leben aus dem Wort“ spannt Foster den Bogen von der frühen Kirchengeschichte über Augustinus und den Reformatoren bis hin zu Billy Graham, dem Vertreter der modernen evangelikalen Bewegung (S. 121).

Die sechste Strömung, die „inkarnatorische Strömung“, die das „sakramentale Leben“ beinhaltet, integriert die bisherigen fünf Strömungen in den Rhythmus des täglichen Lebens. Hierzu erläutert Foster: „Das Wort Sakrament bedeutet in seiner ursprünglichen Form ein äußeres Zeichen einer unsichtbaren Gnade. In seiner spezialisierten Benutzung bezieht es sich auf religiöse Rituale, die durch die Gnade Gottes die Kraft haben, diejenigen zu verändern, die ernsthaft daran teilnehmen… Die zwei Sakramente, die fast alle christlichen Glaubenstraditionen gemeinsam haben, sind die Taufe und die Kommunion oder Eucharistie“ (S. 123). „Die inkarnatorische Tradition erdet uns im Leben mit Gott, indem sie jeden Aspekt der menschlichen Erfahrung als potenziell heiligen Boden bejaht“ (S. 125). So sollen alle fünf Sinne mit einbezogen werden, z.B. durch Bilder, Ikonen, Weihrauch.

Richard Foster hat sein Buch Leben mit Gott in drei Teile untergliedert: Am Anfang steht sein Anliegen, die Bibel „mit neuen Augen zu sehen“, um in die Welt der Bibel einzutreten und Gott erleben zu können. Teil 2 bringt den Leser diesem Ziel näher, indem er es lernt, die Bibel mit Herz und Verstand in der Gemeinschaft mit anderen Christen zu lesen. Teil 3 erklärt, was darunter zu verstehen ist, das Leben mit Gott zu leben. Spätestens am Ende des 2. Teils des Buches Leben mit Gott sollte man sich wie die Beröer fragen, „ob es sich auch so verhalte“ (Apg 17,11).

Fosters weist einen Weg zur katholische Mystik. Ein Christ müsse neben der Bibel das besondere „Gnadenmittel“ der geistlichen Übungen (S. 128) praktizieren, um geistlich zu wachsen. Richard Foster spielt in Teil 2 seines Buches alles kritische Hinterfragen herunter, indem er die Liebe ins Spiel bringt. Er überschreibt seine Ausführungen mit dem Satz „Die Freiheit, anderer Meinung zu sein“ (S. 126) und zitiert Paulus: „Ertragt einander in Liebe…“ (Epheser 4,2-3; ebd.). So räumt er jedem die Freiheit ein, aller „Führung des Heiligen Geistes“ zu folgen.

Foster legt dar: „Es gibt zwangsläufig Bereiche, in denen wir uns vollkommen uneins sind, oft bei ernsten Themen. Wir haben das Zeugnis der Geschichte und die Quellen der Kirchentradition, die uns anleiten können, um Grenzen zu erklären, die für unsere Identität mit Christus entscheidend sind. Doch jeder Versuch, andere in Bezug auf Gewissensfragen, kulturelle Empfindsamkeiten, christliche Praktiken und andere ‚Grauzonen‘ der Bibel an unsere Haltung zu binden, ist tödlich, nicht lebensspendend. Das geht uns ganz einfach nichts an“ (S. 127).

Würde diese Aussage Fosters zutreffen, wären Martin Luther, Charles Spurgeon, Martyn Lloyd-Jones und viele andere Gottesmänner, die für die Wahrheiten des Evangeliums eintraten, in die Irre gegangen. Kein Christ ist von dem biblischen Gebot, alles zu prüfen, entbunden. Dies gilt besonders für die christliche Literatur unserer Tage. „Habt acht, dass euch niemand verführe“ (Mt 24,4).

Hier nun Fosters Worte, welche zu Teil 3 überleiten: „Von der Vision zur Praxis überzugehen, führt uns zu den geistlichen Disziplinen. Sie werden aus gutem Grund als ‚Gnadenmittel‘ bezeichnet – sie sind die Tür, um die verändernden Auswirkungen der Gnade in unserem Leben zu erfahren. Jedes Mal, wenn wir ihre Schwelle überschreiten, betreten wir das große Mysterium dessen, wie das Herz Gottes die Herzen der Menschen erfasst“ (S. 128). Die geistlichen Disziplinen sollen den Weg der Freiheit aufzeigen und ein Leben aus der Gnade vermitteln.

Foster bezeichnet das Leben mit Gott als „ein permanentes, sich ständig veränderndes Beziehungsabenteuer“ (S. 132). Er schreibt: „Denken Sie daran, wir gehen immer irgendwo hin. Der alte Weg der geistlichen Disziplinen besteht darin, eine Richtung zu wählen – entweder von der Strömung der Welt um uns her mitgerissen zu werden oder uns mit dem Fluss von Gottes Liebe zu bewegen“ (S. 132). Er spricht von der rettenden Gnade, die uns geschenkt wurde und durch die wir „unsere wahre Heimat [finden]“ und durch die wir „zu unserem  wahren Ich in dem fleischgewordenen Wort werden, das sein ewiges Leben in uns verwahrt, verborgen in den herrlichen Tiefen seines Wesens“ (S. 139).

In allen Ausführungen Fosters taucht nicht ein einziges Mal der von der Schrift vorgezeichnete Weg der Bekehrung auf. Das Wort Buße fehlt gänzlich, obgleich es im Leben eines Christen entscheidend ist und am Anfang seines geistlichen Lebens steht. Foster spricht von Veränderung, die durch die Disziplinen auf dem Weg mit Gott erfolgen sollen. Keine Stelle des Buches spricht davon, das Fleisch oder den alten Menschen „abzulegen“ (siehe Kol 3,8; 1Petr 2,1; Röm 13,12).

Richard Foster  zeigt stattdessen einen anderen Weg, um der Sünde Herr zu werden. „Statt die Verantwortung für unser Wachstum direkt zu übernehmen, tun wir es indirekt über Umwege. Statt zu versuchen, Stolz zu überwinden, indem wir unsere Gründe, uns stolz zu fühlen, direkt angehen, widmen wir uns dem Dienst. Mit der Zeit kommen wir so mit anderen in Beziehung, und das bringt Demut – und wir überwinden so den Stolz…Wir gehen Laster an, indem wir uns den entgegengesetzten Tugenden widmen und dann herausfinden, welche Disziplinen uns in diesen Tugenden trainieren“ (S. 154). Die eigene Tugendleistung unter Zuhilfenahme mystischer Praktiken sollen laut Foster zu geistlichem Wachstum verhelfen.

Fazit

Das Buch von Richard Foster Leben mit Gott enthält einige wenige Aussagen über die Nachfolge eines Christen, die man stehen lassen kann. Der Großteil seines Buches hingegen erweckt den Eindruck, ein Christ könne nur dann geistlich wachsen, sofern er die kontemplativen Methoden der Mystiker praktiziert. Diese Praktiken mittelalterlicher Mystiker stellt Foster überhaupt nicht in Frage, und ein Prüfen dieser Methoden anhand der Schrift: Fehlanzeige! Die klare Trennung zwischen Gnade des Evangeliums und Gesetz, zwischen Werken und Glaube verschwimmt bei Foster. Das Leben mit Gott tiefer zu gestalten, ist Fosters Ziel. Um dies zu erreichen, führt Foster die Vorbilder katholischer Mystiker und Mystikerinnen oder zweifelhafter Charismatiker ebenso an wie Bücher oder Schriften von Heiligen vergangener Zeiten. Entdecken wir tatsächlich „neu die Kraft der Bibel“ (Rückseite), wenn wir Fosters Anweisungen folgen? Diese Frage muss mit einem klaren Nein beantwortet werden. Wer sich auf den mystischen Pfad der inneren Selbstversenkung begibt, wandelt nicht mehr in biblischen Pfaden.

Das vorliegende Buch muss ferner mit Fosters Augen gelesen werden. Wo Foster biblische Begriffe aufgreift, versteht er sie in der Bedeutung seiner Renovaré-Bewegung. Wenn er von der Bibel als Gottes Wort spricht, dann meint er nicht die Heilige Schrift als irrtumslose und unfehlbare Offenbarung Gottes, sondern er folgt der Auffassung der liberalen Theologie, die Bibel enthalte Irrtümer. Der Leser wird in die Denkweise der Mystik eingeführt. Mystiker werden zu vertrauten „Freunden“, die uns helfen sollen, den Weg mit Gott zu gehen.

Es gibt noch viel zu sagen zu diesem Buch. Der Anhang alleine wäre eine gesonderte Ausarbeitung wert.  Doch soll es nun dem Leser überlassen werden, die Aussagen der Ausführungen aufzugreifen und das Buch mit den „Augen der Bibel“ zu lesen.

 

Anmerkungen

Richard Foster, Leben mit Gott – Wie die Kraft der Bibel uns verändert, SCM Brockhaus, Witten, 2010.

Abgesehen von der mystischen Orientierung der Renovaré Bible ist diese Studienbibel aus einer Reihe anderer Gründe als zweifelhaft zu betrachten. Erstens, diese Bibel enthält die Apokryphen, die aus protestantischer Sicht dem biblischen Kanon nicht zuzurechnen sind. Sie wurden von der Katholischen Kirche auf dem Konzil zu Trient (1546) als zur Heiligen Schrift zugehörig erklärt. Luther hielt die Schriften zwar für nützlich, rechnete sie wie die anderen Reformatoren nicht der Heiligen Schrift zu. Zweitens, diese Bibel folgt der Bibelkritik und lehnt Moses als Verfasser der 5 Bücher Mose sowie Daniel als Verfasser des Danielbuches ab. Drittens, das Buch Jesaja wird als „poetische Imagination“ bezeichnet, und auch hinsichtlich dieses biblischen Buches wird die Verfasserschaft Jesajas abgelehnt.

1 Artikelbeschreibung SCM Brockhaus.

URL: https://www.scm-brockhaus.de/leben-mit-gott.html. Abgerufen am 29.5.2017.

2 Alexander Seibel, Richard Foster und das immerwährende Gebet.

URL: https://www.alexanderseibel.de/buecher/Richard_Foster_und_das_immerwaehrende_Gebet.pdf.

3 Ken Silva, Richard Foster says Bible reliable guide despites “inconsistencies”.

URL: http://apprising.org/2012/04/18/richard-foster-says-bible-reliable-guide-despite-inconsistencies/. Abgerufen am  29. 5. 2017.

2021-05-31T06:25:59+02:00