Warum John Piper mit seiner Auslegung von Johannes 6 Unrecht hat / Prof. Dr. Leighton Flowers, USA

Warum John Piper mit seiner Auslegung von Johannes 6 Unrecht hat

Prof. Dr. Leighton Flowers, USA

Übersetzt von Georg Walter

Wenn John Piper über Johannes 6 lehrt, erklärt er, dass Gott durch einen souveränen und wirksamen Akt des Heiligen Geistes einigen Menschen die Wiedergeburt schenkt, was sie maßgeblich zum rettenden Glauben führt. Piper drückt es so aus:

Die Lehre, von der ich Sie zu überzeugen versuche, ist biblisch und daher wahr und wertvoll: Die Wiedergeburt ist das Ergebnis des souveränen Wirkens des Heiligen Geistes, das unserem anfänglichen Akt des rettenden Glaubens vorausgeht und diesen ermöglicht. Nicht unser Glaubenshandeln ist die Ursache für die Wiedergeburt. Ganz im Gegenteil: Der Ruf des Glaubens ist der erste Laut, den ein neugeborenes Kind in Christus von sich gibt. Die Wiedergeburt, wie wir sie manchmal bezeichnen, ist allein von Gott. Wir bringen Gott nicht dazu, dies zu tun, indem wir Christus vertrauen; wir vertrauen Christus, weil er dies[die Wiedergeburt] in uns bereits gewirkt hat…

So sagt er in Johannes 6,43-44:

Murrt nicht untereinander! Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.“ Niemand kann zu Jesus kommen, wenn er nicht von Gott gezogen wird. Der natürliche Mensch kann sich Gott erst dann unterwerfen, wenn in seinem Leben ein übernatürliches Werk der Gnade vollbracht wird, das in Johannes 3 als neue Geburt und in Johannes 6 als das Ziehen Gottes bezeichnet wird….

Daraus folgt, dass der rettende Glaube der neuen Geburt (Wiedergeburt) nicht vorausgeht und sie nicht verursacht. Vielmehr schenkt Gott der Vater durch das Wirken seines Heiligen Geistes die Wiedergeburt, wem immer er will, und zieht dadurch eine Person zum Sohn, damit sie an den Sohn glauben und errettet werden kann. Dies ist die vorlaufende Gnade – das gnädige Werk Gottes, das dem Glaubensakt vorausgeht und ihn ermöglicht. Es ist unwiderstehliche Gnade. Es gibt göttliche Einflüsse, denen man widerstehen kann, aber es gibt auch solche, denen man nicht widerstehen kann. Zitatende

URL:  https://www.desiringgod.org/messages/that-which-is-born-of-the-spirit-is-spirit

Piper benutzt Johannes 6, um darauf hinzuweisen, dass sich der Mensch von Geburt an in einem solchen Zustand befindet, dass er als Erstes durch den Heiligen Geist wiedergeboren werden muss, um überhaupt an die göttliche Offenbarung der Wahrheit glauben zu können. Aber wie verhält es sich mit den Menschen im Alten Testament? Piper müsste davon ausgehen, dass sie in diesem gleichen verderbten Zustand geboren wurden, nicht wahr?

Was, wenn überhaupt, hat sich nach Pfingsten an der Rolle des Heiligen Geistes geändert? Wie wirkte der Heilige Geist im Leben derer, die zum Glauben kamen, bevor Christus starb und der Heilige Geist auf die Jünger herabkam? Wirkte er an einer kleinen Zahl von Erwählten die Wiedergeburt (wirkte er das Ziehen), wie Piper in seinen soteriologischen Ausführungen [Soteriologie: Lehre des Heils] über Johannes 6 lehrt? Hat sich die Rolle des Heiligen Geistes im Hinblick auf die Soteriologie in irgendeiner Weise im Neuen Testament im Unterschied zum Alten Testament geändert? Beeinflusst die Tatsache, dass Johannes 6 vor der Auferstehung und vor Pfingsten stattfand, unser Verständnis des Textes?

Mit anderen Worten: Wurden Henoch, Lot, Noah, Abraham, Jakob, Rahab, Ruth, David und die übrigen Heiligen des Alten Testaments durch ein übernatürliches Wirken des Heiligen Geistes wiedergeboren, um an Gottes geoffenbarte Wahrheit zu glauben, so wie es sich laut Piper heute bei den Erwählten verhält? Wenn wir Johannes 6 dahingehend interpretieren, dass der Text von der übergeordneten ontologischen Realität [Ontologie: Lehre des Seins] des gefallenen Menschen spricht und von der Notwendigkeit, er müsse „wiedergeboren“ werden, um an die von Gott geoffenbarte Wahrheit zu glauben, auf welche andere Weise, außer durch das Wirken des Heiligen Geistes, wird der Glaube in den Heiligen des Alten Testaments bewirkt?

Johannes 7,39 sagt deutlich:

Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.“

Dies deutet darauf hin, dass sich die Rolle des Heiligen Geistes zumindest in gewisser Hinsicht änderte, nachdem Christus auferstanden war (siehe Johannes 12,32). Welche Art von Veränderung würde nach dem Kommen des Heiligen Geistes eintreten? John Piper antwortet verwirrend auf die Frage über die Rolle des Heiligen Geistes im Alten Testament:

Die Beziehung zwischen dem Alten Bund und dem Neuen Bund ist komplex, und ich habe noch nicht auf alle Fragen hinreichende Antworten. Das Wirken des Heiligen Geistes vor Pfingsten ist Teil dieser Fragen …

Die schwierigsten Verse für mich sind Johannes 14,16-17: „Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch bleibt in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie beachtet ihn nicht und erkennt ihn nicht; ihr aber erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“

Auch Johannes 7,39 ist besonders schwierig: „Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, welche an ihn glauben; denn der Heilige Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.“

Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob ich die Pneumatologie [Lehre vom Heiligen Geist] des Johannes verstehe (besonders 20,22), aber ich vermute, der Schlüssel dazu liegt in der Identifikation des irdischen Jesus mit dem Heiligen Geist: „Ihr aber erkennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“  (14,17; vgl. 6,63)

Da der Heilige Geist, an dem sich Christen erfreuen, bekanntlich der Geist Christi ist (Römer 8,9), hält es Johannes möglicherweise für unangebracht, den Heiligen Geist in diesem Sinne als gekommen zu betrachten. Theologisch würde ich fragen, wer der Handelnde ist, der dieses Ziehen in 6,44 und das Kommen in 6,65 vollbringt? Können wir sagen, dass Gott der Vater direkt ohne das Wirken des Geistes wirkt? Oder können wir nicht annehmen, dass der Heilige Geist während des irdischen Wirkens Christi erlösend am Werk war und dass der Heilige Geist, der noch nicht gekommen war, jene besondere Manifestation des Heiligen Geistes ist, die die Apostel in einzigartiger Weise dafür ausrüstete, ihnen alles in Erinnerung zu rufen (14,26) und sie in alle Wahrheit zu leiten (16,13).

Ich taste mich lediglich an das Problem heran. Ich habe das Problem der johanneischen Pneumatologie noch nicht gelöst. Zitatende

URL: https://www.desiringgod.org/articles/re-the-new-covenant-and-the-holy-spirit-in-the-old-testament

Als Piper auf die drängende Frage eines Mitbruders antwortet, gibt er demütig seine eigene Verwirrung zu und spekuliert sogar über die einzigartige Rolle des Heiligen Geistes im Hinblick auf die Führung der Apostel während ihres irdischen Dienstes (was paradoxerweise sehr nach unserer eigenen Interpretation von Johannes 6 klingt, siehe URL: https://soteriology101.com/2016/01/02/the-messianic-secret/). Dennoch erklärt Piper, wenn er im Zusammenhang mit Johannes 6 die TULIP-Systematik lehrt, kategorisch : „Gott der Vater bewirkt die Wiedergeburt durch das Wirken seines Heiligen Geistes in bestimmten Personen, wie er auch immer es will, und er zieht dadurch eine Person zum Sohn, damit diese Person befähigt wird, an den Sohn zu glauben und errettet zu werden… Dies ist ,unwiderstehliche Gnade.‘ Es gibt göttliche Einflüsse, denen man widerstehen kann, aber es gibt auch solche, denen man nicht widerstehen kann.“

Wie kann man in der Lehre zu dem Schluss kommen, dass der Heilige Geist vor Christi Tod und vor dem Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten in zuvor erwählten Personen die Wiedergeburt wirkt (d.h. „ziehen“), wenn man Pipers eigene oben genanntes Eingeständnis berücksichtigt? John Pipers „Problem mit der johanneischen Pneumatologie“ entsteht durch die soteriologischen Vorannahmen, die er in den Text einbringt, nicht weil der Apostel Johannes sich nicht klar ausdrückt.

Die traditionelle Auslegung von Johannes 6, wonach Gott allen Menschen das Heil anbietet, wirft dieses Problem nicht auf, weil nicht davon ausgegangen wird, dass die Menschheit durch den Sündenfall die moralische Fähigkeit verloren hat, mit freiem Willen auf Gottes klare Offenbarung zu antworten, insbesondere auf die Offenbarung, die durch das fleischgewordene Wort Gottes selbst gebracht wurde! Nichts hindert den natürlichen Menschen daran, die Lehren Jesu zu verstehen und zu glauben.

Wir glauben, dass diejenigen, die den Vater gehört und von ihm gelernt haben, bereit waren, seinem Sohn zu folgen (Joh 6,45), und diejenigen, die sich ständig geweigert haben, den Vater zu hören und von ihm zu lernen, in ihrer Rebellion sicherlich zunehmend verhärtet wurden und letztlich nicht mehr willig waren, seinem Sohn wie gute Schafe nachzufolgen (Joh 10,25-27).

Johannes 6 muss in seinem unmittelbaren Kontext verstanden werden. Jesus offenbart seine Identität nur seinen engsten Nachfolgern und verbirgt die Wahrheit aus guten Gründen vor den anderen (Mk 9,9; Mt 16,20; Mt 11,25). Wir müssen verstehen, dass Jesus sich einer gleichnishaften Sprache bedient, um die selbstgerechten Juden jener Tage davon abzubringen, ihn als ihren lang erwarteten Messias anzuerkennen (Mk 4,11-12.33-35). Das, und nur das allein, ist der Grund dafür, dass seine jüdischen Zuhörer nicht in der Lage waren, im Glauben zu ihm zu kommen (Joh 12,39-41). Es gibt absolut keinen Grund zu der Annahme, dass die gesamte gefallene Menschheit moralisch unfähig sei, auf das Reden Gottes im Heiligen Geist zu reagieren, um sich mit Gott versöhnen zu lassen. Diese aufgenötigte Lehre führt zu Pipers Verwirrung und zu den oben angeführten Widersprüchlichkeiten.

Wenn es wahr ist, dass alle Menschen mit einer moralischen Unfähigkeit geboren werden, auf Gottes Offenbarung im Glauben und mit ihrem Willen zu reagieren, gäbe es für Christus absolut keinen rationalen Grund, in Form von Gleichnissen zu reden, um die Wahrheit vor den Juden seiner Zeit zu verbergen, wie im folgenden Abschnitt deutlich wird:

Als sie aber vom Berg herabgingen, gebot er ihnen, niemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden sei. (Markus 9,9).

Da gebot er seinen Jüngern, dass sie niemand sagen sollten, dass er Jesus der Christus sei. (Matthäus 16,20).

Und er gebot ihnen streng, dass sie ihn nicht offenbar machen sollten. (Markus 3,12).

Und er gebot ihnen ernstlich, dass sie niemand von ihm sagen sollten. (Markus 8,30).

Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben“ (Mk 8,30). Den Außenstehenden aber wird alles in Gleichnissen gesagt, damit „sie mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.“ … „Und in vielen solchen Gleichnissen sagte er ihnen das Wort, wie sie es zu hören vermochten. Ohne Gleichnis aber redete er nicht zu ihnen; wenn sie aber alleine waren, legte er seinen Jüngern alles aus.“ (Markus 4,11-12; 33-34)

Paulus „legte vom Morgen bis zum Abend in einem ausführlichen Zeugnis das Reich Gottes dar und suchte sie zu überzeugen von dem, was Jesus betrifft, ausgehend von dem Gesetz Moses und von den Propheten.“ Einige waren von dem, was er sagte, überzeugt, aber andere wollten nicht glauben. Sie waren untereinander uneins und einige wandten sich ab. „Und die einen ließen sich von dem überzeugen, was er sagte, die anderen aber blieben ungläubig. Da sie sich aber nicht einigen konnten, trennten sie sich, nachdem Paulus das eine Wort gesagt hatte: Trefflich hat der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu unseren Vätern geredet, als er sprach: »Geh hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht erkennen! Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie verschlossen, dass sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.« So sollt ihr nun wissen, dass das Heil Gottes zu den Heiden gesandt ist; und sie werden auch hören!“ (Apg 28,23-28).

Welchem Zweck würden die Gleichnisse Christi dienen, wenn Pipers Lehre über „völlige Verderbtheit“ stimmen würde? Der Gebrauch von Gleichnissen durch Jesus wäre so sinnlos wie das Anlegen einer Augenbinde an eine Leiche. Und warum sollten sie seine Identität verheimlichen, wenn die Zuhörer moralisch nicht in der Lage wären, an ihn zu glauben, wenn sie nicht als Erstes wiedergeboren werden? (Weitere Ausführungen über die strategische Verwendung von Gleichnissen durch Jesus hier: URL: https://soteriology101.com/2016/01/02/the-messianic-secret/)

„Ein Text ohne Kontext ist ein Vorwand für einen Beweistext.“

Der Kontext liefert Informationen über die Geschichte, das Umfeld, die Zuhörerschaft und hilft uns auf diese Weise, die Absicht des Verfassers zu verstehen.  Die Grammatik kann uns darüber informieren, welche Interpretationen möglich sind, aber die Absicht des Verfassers lässt sich am besten aus dem Gesamtkontext erkennen.

Das sechste Kapitel des Johannesevangeliums gehört (neben Römer 9 und Epheser 1) zu den drei umstrittensten Schriftstellen in der gesamten Heiligen Schrift, was die Lehre des Heils angeht. Lassen Sie unsere hermeneutischen Kenntnisse auf die Heilige Schrift anwenden und die wichtigsten Fragen zum Kontext dieses heiß umstrittenen Kapitels beantworten:

  1. Was ist der Kontext?
  2. Wer sind die Zuhörer?
  3. Was ereignet sich zu diesem Zeitpunkt?

Die Zuhörer bestehen aus ungläubigen Israeliten auf der Suche nach unentgeltlicher Nahrung (Verse 25-31) und den zwölf Aposteln (Vers 70). Was wissen wir über die Israeliten jener Tage?

Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören sie schwer, und ihre Augen haben sie verschlossen, dass sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile“ (Apg 28,27).

Sie wurden nicht verstockt geboren, aber mit der Zeit verhärteten sich in ihrer religiösen Selbstgerechtigkeit, die sie daran hinderte, die Offenbarung Gottes zu hören, zu sehen und darauf zu reagieren.

Sie wurden als Folge des Gerichts verhärtet (oder „als Zweige ausgebrochen“ oder „ihnen wurde ein Geist der Betäubung gegeben“), um sie in ihrem verhärteten Zustand zu versiegeln. Warum? Um durch ihre Rebellion ein größeres Erlösungsziel zu erreichen (Kreuzigung, Einverleibung der Heiden in den Leib Christi – Römer 9 – 11).

Jesus versucht nicht, sie „für sich zu gewinnen“ oder sie in großer Zahl zum Glauben zu führen, wie wir es in Apostelgeschichte 2 sehen, wo Petrus predigt. Tatsächlich sehen wir, wie Jesus auf der Grundlage des göttlichen Gerichts der Verhärtung Israels seine Apostel aktiv anweist, anderen noch nicht zu sagen, wer er ist (Mt 16,20). Jesus spricht bewusst in den Gleichnissen in einer Weise, die unterbindet, dass sie zum Glauben und zur Buße kommen (Mk 4,11-13; Mt 13,11-15).  Wenn überhaupt, dann konfrontiert Jesus die Juden aktiv mit sehr schwierigen Lehren.  In diesem Kapitel sagt er ihnen, dass sie sein Fleisch essen und sein Blut trinken sollen (Verse 51-52), ohne dass er dies näher erläutert. Offensichtlich versucht er nicht, diese Zuhörer zum Bleiben zu überreden. Er provoziert sie absichtlich (1Kor 2,6-8).

Ist diese Information des Kontexts relevant, wenn es darum geht, die Absicht des Verfassers im Hinblick auf die natürliche Unfähigkeit des Menschen von Geburt an zu verstehen? Ich würde das sicherlich denken, da er sich an eine große Gruppe von Menschen wandte, die als die „Erwählten Gottes“ bezeichnet wurden und die von Gott aktiv verblendet wurden, die Wahrheit zu sehen (wenn auch nur vorübergehend und zum Zweck der Erfüllung des Heilsplans, siehe Johannes 12,39-41).

Beachten Sie, dass die Juden, die durch Gottes Gericht verhärtet wurden, nicht die Einzigen sind, die anwesend sind, als Jesus in Johannes 6 predigte. Auch die zwölf Apostel befinden sich unter der Zuhörerschaft, und tatsächlich sind sie die einzigen, die zurückbleiben, nachdem Jesus die Menge mit einer „kannibalistisch“ klingenden Botschaft provoziert hatte (Verse 66-67).

Warum sind nicht auch die Zwölf gegangen? Es ist fast so, als ob sie durch überzeugende Lehren und wunderbare Zeichen zu ihm „gezogen“ wurden. Erinnern Sie sich daran, wie sie im Gegensatz zu den anderen Israeliten unter den Zuhörern Jesus beobachtet hatten, wie er auf dem Wasser ging, den Sturm stillte, Blinde heilte, die Massen speiste und ihnen persönlich die Bedeutung der Geheimnisse erklärte, die der Welt noch nicht geoffenbart worden waren (Eph 3,1-13). [Anmerkung: Im Text wird nichts erwähnt, was auf eine innere, unwiderstehliche Berufung oder ein Werk der Wiedergeburt hinweist, um seine Apostel zu für sich zu gewinnen. Thomas werden die Narben gezeigt, damit er sich überzeugen lässt. Jesus zeigt deutlich, dass seine Zeichen dazu bestimmt sind, ihrem Unglauben zu helfen].

Bei denjenigen aus Israel, denen Jesus die Wahrheit anvertraute, dass er das „Brot aus dem Himmel“ (Joh 6,32.33.38) war, handelte es sich zu diesem Zeitpunkt um nur einige wenige Erwählte (siehe Apg 10,40-43).  Die anderen werden in ihrem bereits verstockten, selbstgerechten und widerspenstigen Zustand verhärtet… NICHT ein Zustand, der von Geburt an durch den Sündenfall entstanden ist (was Calvinisten in diesen Text hineinlesen), sondern ein Zustand, der das Ergebnis ihrer eigenen, aus freiem Entschluss gefassten Rebellion war. Es war ein Zustand, den Gott benutzte, um ein größeres Ziel in seinem Heilsplan für alle Menschen zu erreichen.

Mit freundlicher Genehmigung von Leighton Flowers.

Quelle: Leighton Flowers, Why John Piper is wrong about John 6.

URL: https://soteriology101.com/2019/04/29/why-john-piper-is-wrong-about-john-6/

2020-09-22T08:59:25+02:00