Veröffentlicht am 09.06.2026

In der Bibel wird Götzendienst (oft auch „Abgötterei“ genannt) nicht nur als die Verehrung von Statuen oder fremden Göttern verstanden.

Alttestamentliches Verständnis

Im Alten Testament wird Götzendienst zunächst sehr konkret beschrieben:

Die Verehrung anderer Götter neben dem Gott Israels.

Das Anfertigen und Anbeten von Götterbildern.

Die Teilnahme an heidnischen Kulten und Ritualen.

In 2. Mose 20,3-5 findet sich ein zentrales Verbot:

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Götterbild machen … Du sollst sie nicht anbeten und ihnen nicht dienen.

Die Propheten kritisieren wiederholt, dass Menschen von Menschenhand gefertigte Bilder verehren und ihnen Eigenschaften zuschreiben, die nur Gott zukommen (vgl. Jesaja 44,9-20).

Neues Testament

Im Neuen Testament bleibt die Ablehnung der Verehrung anderer Götter bestehen. Darüber hinaus wird der Begriff an einer einzigen Stelle auf Habgier erweitert. Habgier wird ausdrücklich als eine Form von Götzendienst bezeichnet.

In Kolosser 3,5 schreibt Paulus:

„… und Habsucht, die Götzendienst ist.“

Ich verstehe diese Aussage so: Hinter Habsucht oder Geldliebe kann das unbewusste Denken liegen, dass man sich mit Geld alles kaufen kann – selbst Gesundheit. In diesem Sinn kann Geld quasi zum Gottesersatz werden.

Wenn man jemanden oder etwas göttlich verehrt, dann schreibt man dieser Person oder Sache göttliche Eigenschaften zu. Man setzt sein Vertrauen darauf – anstatt auf den lebendigen Gott – und erwartet Hilfe. Das ist Götzendienst!

Eine unzulässige Ausdehnung des Begriffs

Bei Luther und besonders in der reformiert-puritanischen Tradition wird der Begriff Götzendienst auf alles und jedes erweitert, was an die Stelle Gottes tritt, und die Hingabe erhält, die Gott allein zusteht. Alles, was die höchste Loyalität des Menschen beansprucht, alles, was zum höchsten Lebenswert erhoben wird, kann somit zum „Götzen“ werden. Das könnten z.B. folgende Dinge sein: Macht, Reichtum, Besitz, Menschen oder andere Dinge, die den Platz Gottes im Leben einnehmen.

Das ist in meinen Augen unzulässig. Ich würde die ungebührliche Verehrung dieser Dinge als „falsche Prioritäten“ bezeichnen – nicht jedoch als Götzendienst. Ich erwarte ja keine göttliche Hilfe von Besitz und oder von Menschen.

Im Heidelberger Katechismus findet sich noch eine biblische Definition. Frage 95: Was ist Götzendienst? Antwort: Anstelle des einen wahren Gottes, der sich in seinem Wort offenbart hat, oder neben demselben etwas anderes zu erfinden oder zu haben, auf das man sein Vertrauen setzt.

Leider kommt es heute in bestimmten theologischen Richtungen geradezu zu einem inflationären Gebrauch des Begriffes Götzendienst. In einem Seelsorgekurs fand ich den Terminus „Götzendienst“ als Haupt- oder Tätigkeitswort fast dreihundert Mal. Darin sehe ich eine unbiblische und ungesunde Akzentverschiebung.

Besonders krass findet sich diese Überbetonung und Akzentverschiebung in „Ersatzgötter des Herzens und der Jahrmarkt der Eitelkeit“ von David Powlison, eine Pflichtlektüre in bestimmten Seelsorgeschulen.

Der Autor entnimmt den Begriff „Ersatzgötter des Herzens“ aus Hesekiel 14,1-8, wo es um die Verunreinigung des Herzens der Juden durch Höhenkulte geht, und überträgt diese Aussage in unzulässiger Weise auf alle Lebensbereiche, die mit menschlichen Bedürfnissen zu tun haben.

„Wir Menschen haben keine Bedürfnisse. Wir haben Herren, Gebieter, Götter – seien wir das selbst, andere Menschen, wertvolle Gegenstände oder Satan.

 – Wenn Hunger zum Götzendienst wird: Wenn ein Hungertrieb mein Leben oder einen Teil meines Lebens bestimmt, zeige ich eigentlich religiöses Verhalten. Ich – ,das Fleisch‘ – bin mein eigener Gott geworden und Nahrung das Objekt meines Willens, meiner Wünsche und Ängste. Wenn normale Hungergefühle zu Problemverhalten und ‐haltungen führen, bin ich ein aktiver Götzendiener.

 – Wenn ein ,Bedürfnis nach Sicherheit‘ mein Leben oder einen Teil meines Lebens bestimmt, übernehme ich wieder religiöses Verhalten. Anstatt dem wahren Gott zu dienen, besteht der Gott, dem ich diene, in der Anerkennung und dem Respekt von Menschen oder in mir selbst oder in anderen. Ich werde zum Diener anderer Götter.

– Die Liebe Gottes lehrt uns, von unserem, ,Bedürfnis nach Liebe‘ umzukehren, indem wir es als Gier betrachten,

 – ,Menschenfurcht‘, ein besonderer ,Götze des Herzens‘.

 – Mag es nützlich sein zu wissen, dass die eine Person eher zu inneren Abgöttern neigt, eine andere zu Vermeidungs‐Götzen, eine weitere zu Macht‐Göttern, eine nächste zu Göttern der Bequemlichkeit, eine andere zu Göttern des Vergnügens, eine weitere zu Götzen der Religiosität usw.

 – „Götzen und Dämonen gehen Hand in Hand mit dem buchstäblichen Verehren falscher Götter. Es überrascht nicht, dass die funktionelle Herrschaft Satans ebenso offensichtlich in den subtileren Götzendiensten ist, die einen Menschen versklaven. Heißt das nun, dass dieser Mensch ‚von Dämonen besessen‘ ist und dass die Wahl der Behandlung Exorzismus heißt? Bestimmt nicht. Doch wo auch immer wir problematisch ängstlich oder böse sind – um zwei bestimmte schlechte Früchte hervorzuheben – werden wir eher in Satans Bild als in das von Christus verwandelt.“

 „Eine Frau, die von ihrem Mann geliebt werden will, macht ihren Ehemann zu ihrem Götzen. Ein Kind, das von seinen Eltern geliebt werden will, macht seine Eltern zu seinen Götzen.“

 Götzendienst wird wie folgt definiert: „Wenn ein legitimes Verlangen zu einem kontrollierenden Wunsch oder zur Forderung wird, entsteht ein sündiges, götzendienerisches Verlangen.“

In der Seelsorge muss man sich dann gezielt mit der Frage beschäftigen: „In welchen Situationen bist du besonders deprimiert, weil dich dein Götze im Stich gelassen hat?“

Fazit

Wir sollten auch im Blick auf das Thema Götzendienst nicht über das hinausgehen, was geschrieben steht.