Veröffentlicht am 12.02.2026
Übersetzt von Georg WALTER, Schömberg
Leighton Flowers (Soteriology101) schreibt:
Man muss verstehen, dass Heilsgewissheit letztlich auf dem festen Glauben an diese drei Hauptfaktoren beruht:
- Die Aufrichtigkeit des Bekenntnisses
- Die Echtheit der eigenen Erfahrungen
- Die Vertrauenswürdigkeit Gottes
Fehlt einer dieser Faktoren, ist Heilsgewissheit nicht möglich – nicht wirklich erfahrbar. Erstens, man muss glauben, dass das Bekenntnis zum Herrn aufrichtig war. Sicher, man mag relativ wenig über die Lehre gewusst haben oder über die Nuancen im Unklaren gewesen sein, was es bedeutet ein Jünger zu sein, aber man muss glauben, dass man aufrichtig war, als man die Entscheidung getroffen hat, Jesus nachzufolgen. Wenn man tief im Inneren weiß, dass man ein Übergabegebet gesprochen hat oder dass man sich taufen ließ aus einem anderen Grund als einem aufrichtigen Bekenntnis zu Christus, dann wird man niemals die Gewissheit finden, nach der man sich sehnt. Dein aufrichtiger Glaube muss allein auf Christus und seiner Gerechtigkeit für deine Errettung ruhen.
Zweitens kannst du keine dauerhafte Gewissheit haben, wenn du deine Beziehung nur auf deine erste Erfahrung gründest. Stell dir vor, die Trauung wäre die einzige Erfahrung, auf der du die Gewissheit deiner Beziehung zu deinem Ehepartner gründen würdest. Der Beweis für deine Beziehung wird durch die vielen innigen Erlebnisse in deinem Leben seit dieser Trauungszeremonie gefestigt, nicht aber durch die Zeremonie selbst. Dasselbe gilt für die Beziehung zu deinem Erlöser. Es geht nicht nur darum, was bei deinem ersten Bekenntnis geschah, sondern darum, was Gott seitdem in deinem Leben getan hat.
Schließlich, und das ist das Wichtigste, musst du darauf vertrauen, dass derjenige, dem du dein Vertrauen geschenkt hast, vertrauenswürdig ist. Wird er seine Verheißungen erfüllen? Wenn der letzte dieser Faktoren untergraben wird, zerbrechen auch die anderen beiden. Denn was nützt eine persönliche Beziehung zu jemandem, dem man nicht vertrauen kann? Und wie kann man an die Echtheit von Erlebnissen glauben, wenn sich die Person, mit der man sie teilt, als unaufrichtig erweist?
Wenn beispielsweise eine Frau herausfände, dass ihr Mann im Laufe seines Lebens viele andere Frauen hatte, die er zu seinem eigenen Vergnügen benutzte und wieder verwarf, wie könnte sie sich dann seiner echten Liebe zu ihr sicher sein? Sie könnte hoffen, dass ihre Liebe echt war, aber ihr Wissen, dass er kein vertrauenswürdiger Mann war, würde zwangsläufig ernsthafte Zweifel hervorrufen. Glaube unterscheidet sich deutlich von Gefühlen. Glaube spiegelt den tiefsten Aspekt der menschlichen Seele wider. Gefühle hingegen spiegeln den oberflächlichen Aspekt der menschlichen Seele wider. Woher kommt also deine Gewissheit? Aus deinem Glauben oder aus deinen Gefühlen? Hast du das Gefühl, dass Gott vertrauenswürdig ist, oder hast du Vertrauen in Gott, dass er vertrauenswürdig ist? Gefühle können sich sprunghaft ändern, aber Glaube – der geprüft wird – bleibt bestehen.
Zum Beispiel, in Zeiten des moralischen Versagens fühlen sich Calvinisten manchmal nicht mehr als „Erwählte“ (im calvinistischen Sinne) und sind dann anfällig für Glaubensabfall. Auch der Glaube, zu den Erwählten im Sinne des Calvinismus zu gehören, ist ungewiss, da Gott niemals jemandem eine „besondere Erwählung zum Heil“ verheißen hat. Stattdessen hat Gott jedem, der an seinen Sohn glaubt, das ewige Leben verheißen (Jo 3,16). Calvinisten begeben sich also in Gefahr, wenn sie sich auf ihr Gefühl verlassen, „erwählt“ zu sein (basierend auf welchen „Werken“ auch immer, die ihnen dieses Gefühl vermitteln), und auch, wenn sie glauben, Gott habe ihnen eine bedingungslose Erwählung verheißen, obgleich Gott nie jemandem so etwas verheißen hat.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine viel stärkere Grundlage für Heilsgewissheit einfach der Glaube an Gottes Wort ist, gemäß Johannes 3,16, basierend auf all den Schriftstellen in der Heiligen Schrift, an denen wir erkennen, wie Gott sein Wort gehalten hat.
Was glauben Calvinisten?
Die Hinwendung zu den Gnadenlehren [die Fünf Punkte des Calvinismus] ist vergleichbar mit einer Erlösung innerhalb der Erlösung.
Unsere Antwort:
Der Grund, warum Calvinisten die Hinwendung zu den „Gnadenlehren“ als eine Erlösung innerhalb der Erlösung bezeichnen, liegt darin, dass sie die Bekehrung zum Calvinismus als ein deutliches Zeichen für die „Wiedergeburt“ ansehen.
Warren McGrew:
„Es ist darauf ausgelegt, die Anhänger zu indoktrinieren, sodass sie glauben, sie könnten nur dann wissen, ob sie wiedergeboren sind, wenn sie den Calvinismus verstehen. … Es stellt den potenziellen Nachfolger Christi vor die Frage: ‚Du weißt noch gar nicht, ob du wiedergeboren bist, aber hier ist ein Weg, es herauszufinden. Wenn du diese Lehre verstehst und sie als wahr bejahst – denn es ist eine geistliche Wahrheit, und geistliche Wahrheit kann man nur verstehen, wenn man wiedergeboren ist. Und wenn du das verstehst, dann bist du wiedergeboren.‘“[1]
Was glauben Calvinisten?
John MacArthur:
„Und so sagten wir, dass die große, grundlegende Wahrheit, die unsere Zukunft sichert, Gottes Ratschluss in der Ewigkeit ist. Es ist die Tatsache, dass wir zur endgültigen Erlösung erwählt sind, die unsere sichere Erlösung begründet.“[2]
Unsere Antwort:
Tatsächlich kann der Calvinismus denen, die innerhalb seiner Systematik konsequent sind, logisch keine Gewissheit geben, da selbst Calvinisten bestätigen, dass es Menschen gibt, die aufrichtig an ihre Erlösung glauben, sich aber in Wirklichkeit selbst täuschen.
Betrachten wir beispielsweise folgendes Zitat:
John Piper:
„Man kann sich ein theologisches System zu eigen machen und trotzdem nicht wiedergeboren sein.“[3]
In einer Weltanschauung, in der Gott alles bestimmt, was geschieht, wie die calvinistischen Gelehrten behaupten, muss man sagen, dass diejenigen, die sich selbst täuschen, dies letztlich tun, weil Gott es so vorherbestimmt hat. Wenn du zu denjenigen gehörst, die Gott dazu erwählt hat, in einer Selbsttäuschung zu verharren – im falschen Glauben, erlöst zu sein, obwohl du es in Wirklichkeit nicht bist –, dann kannst du diese Tatsache erst nach dem Jüngsten Gericht erkennen.
Da das calvinistische System besagt, dass Gott bereit ist, Menschen in ihrer Selbsttäuschung unwiderruflich zum Gegenstand seines göttlichen Zorns zu machen, um seine Ehre groß zu machen, ist es für keinen konsequenten Calvinisten möglich, mit Sicherheit zu wissen, dass er oder sie nicht zu denen gehört, die für diesen Zweck erwählt wurden.
Der Glaube, sich Christus anvertraut zu haben, und die mit ihm gemachten Erfahrungen in einer persönlichen Beziehung bedeuten nichts, wenn Christus nicht durchweg vertrauenswürdig und liebevoll gegenüber der Menschheit ist. Und da Gott (nach calvinistischer Lehre) nachweislich fähig und willens ist, aufgrund seines Dekrets zu bewirken, dass Personen aufrichtig glauben, errettet zu sein, obgleich sie es nicht sind, gibt es keine Gewissheit, dass er nicht dasselbe mit einem selbst tut. Ein konsequenter Calvinist kann nicht wissen, ob er zur Selbsttäuschung oder zur wahren Errettung erwählt wurde, wohingegen ein Nicht-Calvinist mindestens so viel Gewissheit der Errettung haben kann, wie er oder sie sich in einer Ehe gewiss sein können, mit einem vertrauenswürdigen Partner verheiratet zu sein.
Daher bietet der Calvinismus nur sehr wenig Heilsgewissheit, weil diese auf eine ewige, verborgene Erwählung beschränkt ist. Aus diesem Grund haben sich Calvinisten historisch gesehen immer wieder Sorgen gemacht, ob sie tatsächlich erwählt wurden.
Walls und Dongell:
„Diese schreckliche Möglichkeit ist es, die Calvinisten quält, die mit der Heilsgewissheit ringen. Zeiten moralischen Versagens und Depressionen können leicht als Beweis dafür gedeutet werden, dass man doch nicht erwählt ist und dass Gott das Herz verhärtet, weil man nicht treuer auf seine Gnade reagiert.“[4]
Steven Hitchcock:
„Ein gemeinsames Merkmal dieser dunklen Phase unter den neubekehrten Calvinisten ist die persönliche Infragestellung der eigenen Erlösung. Dies liegt daran, dass sich der Schwerpunkt von der persönlichen Überzeugung von Jesus hin zu der Vorstellung verschiebt, dass Gott in seinen geheimen Ratschlüssen der Ewigkeit die Schlüssel zu unserer persönlichen Erlösung in Händen hält. Die offensichtliche Konsequenz des Calvinismus für den Einzelnen ist die Frage, ob er oder sie zu den Erwählten gehört. Hat Gott mich in der Ewigkeit vorherbestimmt, einer seiner Erwählten zu sein? Die ganze Erfahrung ist wie die Überquerung eines Flusses, in dem man den Grund erst spürt, wenn man auf der anderen Seite angelangt ist.“[5]
Manche Calvinisten haben sich sogar vom christlichen Glauben abgewandt. weil sie keinen Beweis für ihre Erwählung sahen.[6] Dennoch versichern uns Calvinisten, dass man auf seine mutaßliche Erwählung vertrauen kann:
Was glauben Calvinisten?
James Kennedy:
„Wisst ihr, dass ihr von Gott auserwählt seid, von Gott erwählt, zur Annahme als Kind Gottes vor Anbeginn der Zeit vorherbestimmt? Ihr könnt es mit Gewissheit wissen.“[7]
Johannes Calvin:
„Wenn Pighius fragt, woher ich weiß, dass ich auserwählt bin, antworte ich, dass Christus für mich mehr ist als tausend Zeugnisse.“[8]
Johannes Calvin:
„…vor Anbeginn der Welt wurden wir sowohl zum Glauben vorherbestimmt als auch zum Erbe des himmlischen Lebens erwählt. Daher entsteht unerschütterliche Gewissheit. Der Vater, der uns diesen Sohn als sein besonderes Eigentum gegeben hat, ist stärker als alle und wird nicht zulassen, dass wir aus seiner Hand gerissen werden.“[9]
Johannes Calvin:
„Man fragt fälschlicherweise, wie man sich der Gewissheit der Erlösung im verborgenen Ratschluss Gottes sicher sein kann. Ich habe mit der Wahrheit geantwortet. Da uns die Gewissheit der Erlösung in Christus dargelegt ist, ist es gegenüber Christus falsch und schädlich, diese angebotene Quelle des Lebens, aus der wir schöpfen, zu ignorieren und sich abzumühen, Leben aus den verborgenen Tiefen Gottes zu schöpfen.“[10]
Johannes Calvin:
„Paulus bezeugt deutlich: wo das Heil des übrigbleibenden Volkes der „Wahl der Gnade“ zugeschrieben wird, da wird erst erkannt, dass Gott aus reinem Wohlgefallen selig macht, welche er will, dass er aber nicht etwa Lohn austeilt, den er ja nicht schuldig sein kann. Wer nun die Tore verschließt, so dass keiner es wagt, an einen Geschmack von dieser Lehre zu kommen, der tut den Menschen nicht weniger Unrecht als Gott; denn es gibt nichts anderes, das uns so nach Gebühr zu demütigen vermöchte – und wir werden dann auch nicht von Herzen empfinden, wie sehr wir Gott verpflichtet sind! Auch finden wir doch anderswo keine Stütze zu getroster Zuversicht.“[11]
Unsere Antwort
Im Gegenteil, Calvinisten geben zu, mit dieser Frage zu ringen, wie der Calvinist Charles Spurgeon schrieb:
„Ich treffe häufig auf arme Seelen, die sich über diesen Gedanken Sorgen machen: ‚Was, wenn ich nicht erwählt wäre!‘ ‚Oh, Herr‘, sagen sie, ,Ich weiß, ich vertraue auf Jesus; ich weiß, ich glaube an seinen Namen und vertraue auf sein Blut; aber was, wenn ich nicht auserwählt bin?‘ Armes, liebes Geschöpf! Du weißt nicht viel über das Evangelium, sonst würdest du niemals so reden, denn wer glaubt, ist erwählt. Die Erwählten sind zur Heiligung und zum Glauben erwählt; und wenn du Glauben hast, gehörst du zu Gottes Erwählten; du kannst es wissen und solltest es wissen, denn es ist eine absolute Gewissheit. Wenn du als Sünder heute Morgen auf Jesus Christus schaust und sagst: ,Nichts bringe ich in meinen Händen, nur an dein Kreuz klammere ich mich‘, dann bist du erwählt. Ich fürchte mich nicht vor der Erwählung, die arme Heilige oder Sünder erschreckt.“[12]
Hier haben wir also Menschen, die behaupten, auf Jesus zu vertrauen, aber dennoch – aufgrund der besonderen theologischen Positionen des Calvinismus – nicht wissen, ob sie errettet sind, da sie möglicherweise nicht zu den „Erwählten“ gehören.
Der Rat von Spurgeon lautet:
„Glaube daran, dass du zu Gottes Erwählten gehörst.“ Das Problem des Calvinismus besteht darin, dass er Menschen dazu ermutigt, ihr Vertrauen auf etwas zu setzen, das sie annehmen müssen, wie etwa die Annahme, ein Erwählter zu sein, anstatt auf etwas zu vertrauen, das sie wissen können, wie etwa die Gewissheit, dass Gott seine Verheißungen erfüllt, jeden zu erretten, der an ihn glaubt. Glücklicherweise schloss Spurgeon mit der richtigen Grundlage für wahre Gewissheit: „Setze deine Hoffnung auf das Kreuz Christi. Denke nicht an die Erwählung, sondern an Christus Jesus. Vertraue auf Jesus – Jesus zuerst, inmitten und ohne Ende.“[13]
In der Tat, die Gewissheit darf nicht auf der Annahme einer verborgenen Erwählung beruhen, sondern vielmehr auf Gottes Verheißung, sein Wort für alle zu erfüllen, die an seinen Sohn glauben. Als Nicht-Calvinist muss ich daher nicht raten oder vermuten, ob Gott mich persönlich retten will, denn wenn Jesus für alle gestorben ist, kann ich mit Gewissheit wissen, dass er auch für mich gestorben ist, da ich zu denen gehöre, für die er gestorben ist. Mit anderen Worten: Ich kann wissen, dass Gott mich persönlich retten will, weil er durch das Kreuz den Weg zur Erlösung aller bereitet hat, sodass jeder Mensch auf der Welt, der an ihn glaubt, gerettet wird.
Mit freundlicher Genehmigung von Richard Coords.
Richard Coords, Calvinism Answered Verse by Verse and Subject by Subject, S. 17-22.
URL: http://www.examiningcalvinism.com/July_3_2025_Calvinism_Answered.pdf
[1] Debate Review with Warren McGrew, 49:55-50:24, https://www.youtube.com/watch?v=zEJtBu18K4s&t=4409s
[2] John MacArthur, Doctrine of Election part 1, 1:33 – 1:57. https://www.youtube.com/watch?v=eFJFKFz2uYw
[3] John Piper, Why are Calvinists so Negative? Interview mit John Piper; http://www.desiringgod.org/interviews/why-are-calvinists-so-negative
[4] Jerry L. Walls & Joseph R. Dongell, Why I Am Not A Calvinist (Downers Grove, Illinois: InterVarsity Press, 2004), 202.
[5] Steven L. Hitchcock, Recanting Calvinism (Xulon Press, 2011), xxv-xxvi.
[6] „Ich begann sogar an meiner Erwählung durch die souveräne Gnade Christi zu zweifeln, da ich keinen wirklichen Beweis dafür hatte, mit dem ich mich hätte überzeugen können…“ Byron Curtis Smith, Why I Doubt Christianity (Internet blog post, February 10, 2011).
[7] Solving Bible Mysteries (Nashville, TN: Thomas Nelson Publishers, 2000), 27.
[8] Concerning the Eternal Predestination of God (Louisville, Kentucky: Westminster John Knox Press, 1997), 130.
[9] Ibid., 57.
[10] Ibid., 126.
[11] Johannes Calvin, Institutio, Buch 3, Kapitel 21, Absatz 1. https://www.calvin-institutio.de/display_page.php?elementId=45.
[12] Charles Spurgeon, Election, September 2, 1855.
[13] Ibid.